18.10.2015
Finissage „Surprise“ – Dietmar Brixy & Patricia Waller

Eröffnungsrede, Werner Tammen

* special guests: Galerie Tammen & Partner Berlin mit Patricia Waller

Surprise
2015, Öl auf Nessel
160 x 210 cm

(...) Auch mir geht es so, dass ich jedes Mal, wenn ich hier rein komme (ins Alte Pumpwerk Neckarau), auch leicht „unruhig“ werde. Nicht nur, weil ich überlegen muss, was nehme ich auf die nächste Messe von Dietmar Brixys Kunst mit? Sondern, die Art und Weise wie es Brixy immer wieder, jedes Jahr wieder neu schafft, „ein neues Welttheater“ ins Leinwandgeviert zu bannen, ist, glaube ich, wirklich sehr besonders. Sie müssen sich, wirklich die Mühe machen, in die einzelnen Arbeiten reinzugehen. Zu sehen, was sich verändert hat. Wie es Brixy gelingt, auch gerade in den neuen Arbeiten abstrakte Räume zu schaffen. Wie er es mit einer wahnsinnigen malerischen Bravour schafft, Geheimnisse, auch in der Entstehung des jeweils einzelnen Bildes, zu erschaffen. Auch ich bin immer wieder überrascht und muss nachfragen: „Sag mal, wie hast Du das denn wieder gemacht?“ Also: Es ist absolut faszinierend, was hier immer wieder neu entsteht und eigentlich zeigt, wie Brixy sich jeweils neu erfindet, jedes Jahr neu. Ich glaube, das ist ein Kriterium, was auch etwas aussagt über einen guten Künstler.

Seine zusätzliche Qualität, auf die er schon hingewiesen hat, ist, dass er auch hier im Alten Pumpwerk Gastkünstler zeigt. Dieses Jahr Patricia Waller. Es gibt ein schönes Statement von unserem Schriftsteller Heinrich Böll. Der meint, jeder Künstler muss „eine ausreichende Prise Anarchismus in sich haben, wenn er denn ein guter Künstler“ sein will. Ich glaube, irgendwie hat man bei Patricia Waller wahnsinnig viel von dieser Prise in ihre künstlerische Entwicklung reingepackt. Denn ihre Arbeiten zeichnen sich doch sehr provokant, sehr besonders aus. Nicht einfach, weil sie erst einmal gegen das Vorurteil der Technik anzukämpfen haben: Da ist eine Dame, die häkelt, die strickt. Wenn sie näher in ihre Kataloge einsteigen, werden Sie feststellen, dass sich Gott sei Dank inzwischen die Resonanz der Kunstkritik auf dieses Thema absolut gewandelt hat, und sich selbst sich so prominente Namen wie Simon Bourgeois positiv zu dieser Form von Technik äußern. Weil diese durchaus ein antizipatorisches Element hat, wie hier mit, unter anderem, der Nadel umgegangen wird. Und wie Patricia Waller versucht, die tagesaktuellen Themen anzupacken. (...)

 

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