10.08.2012
Vernissage „Garten Eden in Berlin“

Eröffnungsrede, Dr. Reinhard Spieler


Blick in die Ausstellung Galerie Tammen & Partner

(...) Hier ist es eine Natur, die erst einmal wie eine ungeheure Ursuppe daherkommt. Eine gewaltige Urkraft, noch vor der eigentlichen Gestalt, der eigentlichen Gestaltung, noch bevor die Natur Gestalt annimmt. Es ist wie als wenn wir in den Schöpfungsprozess in der ersten Phase, oder in der zweiten Phase, einsteigen. Wo die Biomasse als pure Energie vorhanden ist. Durchzuckt von einigen Energieblitzen. Man weiß nicht, sind es Flüsse oder Äste oder irgendwelches Schlangengetier oder sind es wirklich Blitze voller Energie? Das bleibt offen und ist eigentlich noch gar nicht zur richtigen Form geworden. Es ist einfach die pure Bioenergie, die wir dort erstmal sehen können. Ich hoffe, der Künstler kann es mir verzeihen, aber natürlich ist hier nicht Gott am Werk gewesen, sondern eben doch nur ein Maler, wobei das „nur“ keine Einschränkung sein soll, sondern doch eher ein Kompliment.

Was sehen wir eigentlich? Wir sehen hier nicht den Gott, sondern wir sehen dem Künstler bei der Schöpfung zu. Und das Paradies des Malers ist natürlich das Bild. Und wir sehen hier genau den Entstehungsprozess, den Gestaltungprozess des Bildes. Was Brixy eigentlich zum Thema seiner Bilder macht, ist den Gestaltungsprozess selber sichtbar zu machen. Wir sehen ganz unterschiedliche Techniken, wir sehen das Machen dieses Bildes in verschiedenen Phasen. Man sieht wie er Farbe mit dem Pinsel aufgetragen hat. Wie sie verwischt wird. Mit der Spachtel, mit den Händen verschmiert, aufgetragen wird, in verschiedenen Reliefstufen. Also, es ist wirklich der Entstehungsprozess selber, nicht das fertige Bild, sondern der Prozess des Werdens und Entstehens, der hier Thema ist.

Im Ganzen ist es eine überwältigende Feier der Natur, die er uns hier zeigt. Man kann dabei an Claude Monet in seinen allerletzten Bildern denken. Sie kennen alle die berühmten „Seerosenbilder“. Die letzten Bilder, die er gemalt hat, sind eine einzige grandiose Feier der Natur, die dann vollkommen abstrakt wird. Eben Biomasse, Bioenergie pur – wie sie Brixy eben hier auch zeigt. (...)

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