01.10.2008
Gefunden 2008

Essay von Dr. Martin Stather


Bilder von Dietmar Brixy

Ein Triptychon des bekannten Mannheimer Künstlers Dietmar Brixy ziert seit Juli 2008 das Trauzimmer im alten Mannheimer Rathaus am Marktplatz. Drei große Tafeln erheben sich an der Wand. Brixy greift bewusst auf das kunsthistorisch bedeutsame Thema des Triptychons, eines 3-geteilten Gemäldes zurück, das früher ausschließlich für Altarbilder verwendet wurde. Dort wird die Passion Christi oder das Leben und Martyrium der Heiligen dargestellt, die stellvertretend für das menschliche Leben stehen.

Der Lebenszyklus des Menschen wird entscheidend geprägt durch die Begegnung mit anderen Menschen und, natürlich, insbesondere durch die Begegnung und Verbindung mit dem Lebenspartner oder der Lebenspartnerin. Brixy lässt in der rechten und linken Tafel schemenhaft jeweils eine menschliche Figur auftreten, schwebend, eingebunden in den Malgrund aus dem er nur leicht hervortritt, der außerdem noch Geckos, Vögel, Schnecken und Schmetterlinge erkennen lässt, Symbole für Stärke, Freiheit, Leben und einen Kreislauf des Lebens in der Natur, der ewig ist. Ganz bewusst verzichtet der Künstler auf eine eindeutige Zuordnung der Geschlechter; jeder darf sich mit seinem Partner oder Partnerin in diesem Bild wiederfinden. In der mittleren Tafel finden die beiden Menschen zusammen, teilen nun den Sog und die Fährnisse des Lebens, geben sich gegenseitig Schutz, Vertrauen und Zuneigung. Das Leben nimmt hier einen neuen Anfang in der Gemeinschaft zweier Individuen, die sich entschlossen haben, ihren Weg gemeinsam zu gehen, was immer ihnen auch begegnen mag.

In lichten Farben malt Brixy dieses Zusammentreffen, es ist von heiterer Leichtigkeit und einer großen Freude über den Neubeginn geprägt. Die neue Gemeinschaft spinnt sich ihren Kokon, der jedoch nicht hermetisch geschlossen ist, eher von offener Struktur und der Teil einer größeren, der Gesellschaft der Menschen ist. Brixy schafft weiche Übergänge, malt mit der Hand und nicht mit dem Pinsel, bearbeitet die malerische Oberfläche dann mit Kamm oder Spachtel, um tiefere Schichten der Farbe wieder sichtbar zu machen. Das Bild zeigt seine verschiedenen Schichten, die Geschichte seiner Entstehung, wie auch die Menschen ihre Geschichte mit sich herumtragen. Als soziale Wesen verbindet uns eine Vielzahl von Beziehungen zu anderen Menschen, die auch in der Partnerschaft mit dem für uns wichtigsten Menschen nicht enden. Brixy verflicht Farbe und Form im Bild miteinander und schafft so eine Allegorie des menschlichen Seins.

 

Dr. Martin Stather

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