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Photo: Chiara Dalla Rosa
13.09.2026 - 21.10.2026

PALAZZO BEMBO – VENEDIG

BRIXY – WANDERLUST

Ausstellung im Palazzo Bembo, Venedig

 

Mit seiner Ausstellung WANDERLUST, die vom 13. September bis zum 11. Oktober parallel zur Biennale Arte 2026 im renommierten Palazzo Bembo nahe der Rialtobrücke gezeigt wird, präsentiert Dietmar Brixy ein vielschichtiges Panorama zwischen Traum und Wirklichkeit. Die Ausstellung ist Teil von Personal Structures – Confluences, der internationalen Ausstellung des European Cultural Centre Italy.

 

Mit WANDERLUST kehrt Dietmar Brixy nach Venedig zurück. Bereits 2024 waren seine Werke in der Biblioteca Nazionale Marciana am Markusplatz zu sehen. Die Ausstellung erreichte rund 27.000 Besucherinnen und Besucher. Zwei Jahre später widmet sich Brixy nun im Palazzo Bembo in einer umfassenden Präsentation einem Thema, das sein Schaffen seit vielen Jahren begleitet: der Sehnsucht nach Aufbruch, Veränderung und innerer Weite.

 

Wanderlust als innere Haltung

Der Titel verweist auf einen Begriff, der, aus dem Deutschen kommend, längst Eingang in mehrere europäische Sprachen gefunden hat. Ursprünglich tief in romantischen Vorstellungen von Natur, Bewegung und Selbstvergewisserung verwurzelt, beschreibt Wanderlust weniger ein konkretes Ziel als eine innere Haltung: das Begehren nach Aufbruch und dem Unterwegssein selbst. In Brixys Malerei wird diese Haltung in gestischen Spuren, Verdichtungen und farblichen Bewegungen sichtbar, die wie Pfade durch unbekanntes Terrain führen.

 

So beschreibt der Begriff Wanderlust für Dietmar Brixy weit mehr als den Wunsch, zu reisen oder einen geografischen Ort zu verlassen. Er steht für eine innere Haltung zwischen Traum und Wirklichkeit, zwischen Erinnerung und Erwartung, zwischen dem Vertrauten und dem noch Unbekannten. Wanderlust beginnt dort, wo Gewissheiten in Bewegung geraten. Sie bezeichnet den Wunsch, bestehende Grenzen zu überschreiten, neue Perspektiven zuzulassen und sich auf Erfahrungen einzulassen, deren Ziel noch nicht feststeht.

 

Brixys Malerei ist Ausdruck dieser Bewegung. Seine Bilder führen nicht an eindeutig bestimmbare Orte. Sie öffnen vielmehr Räume, in denen äußere Landschaft und innere Wahrnehmung ineinandergreifen. Erinnerungen, Reiseerfahrungen, Naturbeobachtungen und Imagination verbinden sich zu vielschichtigen Bildwelten, die zwischen Gegenständlichkeit und Abstraktion, Tiefe und Oberfläche, Ruhe und Dynamik oszillieren.

 

Horizonte treten hervor und verschwinden wieder. Linien steigen auf, entwickeln sich zu Schleifen, Strömungen und vegetabil anmutenden Formen oder führen den Blick in eine nicht näher bestimmbare Ferne. Farbflächen überlagern sich, verdichten sich und brechen erneut auf. So entstehen Landschaften, die weniger einen konkreten Ort wiedergeben als vielmehr einen Zustand beschreiben.

 

Wanderlust, 2026, Öl auf Nessel, 210 x 160 cm

Wanderlust, 2026, Öl auf Nessel, 210 x 160 cm

 

Zwischen Journey und Wanderlust

In der Ausstellung begegnen sich insbesondere Arbeiten aus den Werkserien Journey und Wanderlust. Beide kreisen um Bewegung, Wahrnehmung und Veränderung, setzen dabei jedoch unterschiedliche Akzente.

 

Mit der Werkserie Journey entwickelte Brixy eine zeitgenössische Form der Landschaftsmalerei, die nicht auf die Wiedergabe eines konkreten Ortes zielt. Landschaft erscheint vielmehr als vielschichtiger Bildraum, in dem Erinnerung, Erfahrung und Imagination ineinandergreifen. Gestaffelte Horizonte, leuchtende Farbfelder und reliefartig aufgetragene Malschichten erzeugen den Eindruck von Tiefe, Weite und Bewegung. Lineare Verläufe steigen auf, verdichten sich zu Schleifen und Strömungen oder führen den Blick durch das Bild. Die Materialität der Farbe bleibt dabei stets sichtbar. Sie beschreibt nicht allein Landschaft, sondern formt sie als körperlich erfahrbaren Raum.

 

Wanderlust führt diese Auseinandersetzung weiter und richtet den Blick verstärkt auf den Moment des Aufbruchs. Sie handelt von der Sehnsucht nach Ferne, aber auch von der Frage, was geschieht, wenn man einen vertrauten Zustand verlässt, ohne das Kommende bereits zu kennen. Sie ist in diesem Sinne keine Flucht, sondern steht vielmehr für Offenheit, Neugier und die Bereitschaft, sich verändern zu lassen. Die Reise führt nicht nur durch äußere Räume. Sie wird zugleich zu einer Begegnung mit der eigenen Wahrnehmung.

 

Journey, 2023, Öl auf Nessel, 120 x 300 cm

Journey, 2023, Öl auf Nessel, 120 x 300 cm

 

 

Verdichtete Bildwelten – die Bubbles

Einen weiteren Akzent innerhalb der Ausstellung setzt eine konzentrierte Präsentation von Brixys charakteristischen Bubble-Arbeiten. In ihren runden Bildformaten verdichtet sich die Malerei zu eigenständigen, in sich geschlossenen Bildwelten. Die Kreisform besitzt weder einen eindeutigen Anfang noch ein Ende. Sie lenkt den Blick nach innen und lässt Farbe, Bewegung und Struktur wie in einem eigenen Kosmos zirkulieren. Vegetabile Formen, leuchtende Farbfelder und reliefartige Oberflächen verbinden sich zu Kompositionen, die gleichermaßen an Wachstum, Natur, Energie und fortwährende Veränderung erinnern.

 

Innerhalb von WANDERLUST erscheinen die Bubbles wie malerische Konzentrate. Während sich die großformatigen Arbeiten in die Weite öffnen und den Blick durch vielschichtige Landschaftsräume führen, bündeln die runden Werke Bewegung und Wahrnehmung auf engem Raum. Sie laden dazu ein, innezuhalten und die feinen Übergänge, Überlagerungen und materiellen Spuren der Farbe aus unmittelbarer Nähe zu entdecken.

 

Gleichzeitig greifen sie einen zentralen Gedanken der Ausstellung auf: Jede Reise verläuft nicht nur linear von einem Ausgangspunkt zu einem Ziel. Sie besteht ebenso aus Kreisläufen, wiederkehrenden Erinnerungen, inneren Bewegungen und Momenten der Verdichtung.

 

Wanderlust Bamboo Bubble, 2025, Öl auf Nessel, D 160 cm

 

Wanderlust Bamboo Bubble, 2025, Öl auf Nessel, D 160 cm

 

Venedig als Resonanzraum

Der Palazzo Bembo bildet für WANDERLUST einen besonderen architektonischen und atmosphärischen Rahmen. Das historische Gebäude liegt unmittelbar am Canale Grande gegenüber der Rialtobrücke. Seine Räume tragen die Spuren verschiedener Zeiten und treten in einen spannungsvollen Dialog mit Brixys zeitgenössischer, körperlich präsenter Malerei.

 

Auch Venedig selbst ist eine Stadt des Übergangs. Wasser und Architektur, Bewegung und Stillstand, Vergangenheit und Gegenwart durchdringen einander. Perspektiven verändern sich mit jedem Schritt, Wege enden unvermittelt am Wasser und setzen sich an anderer Stelle fort. Die Stadt erscheint real und zugleich entrückt, vertraut und geheimnisvoll, dauerhaft und fortwährend in Veränderung begriffen.

 

Vor diesem Hintergrund erhält der Ausstellungstitel WANDERLUST eine besondere Bedeutung. Die Stadt wird nicht lediglich zum Schauplatz der Ausstellung, sondern zu einem Resonanzraum für ihre zentralen Fragen: Was bedeutet es, aufzubrechen? Wo beginnt eine Reise? Wann wird aus äußerer Bewegung eine innere Erfahrung? Und kann das Verweilen ebenso bedeutsam sein wie das Weitergehen?

 

Bembo Terrace_credit ph Federico Vespignani

Eine Einladung zur eigenen Reise

 

Die Ausstellung erzählt von der Sehnsucht nach Ferne und zugleich von der Entdeckung des Eigenen. Sie handelt vom Mut, vertraute Grenzen zu überschreiten, von der Offenheit gegenüber dem Unbekannten und von jenen Momenten, in denen sich Wahrnehmung verändert.

 

WANDERLUST wird so zu einer Reise zwischen Traum und Wirklichkeit, zwischen äußerer Welt und innerem Erleben. Nicht das Erreichen eines bestimmten Zieles steht im Mittelpunkt, sondern die Erfahrung des Unterwegsseins.

 

 

Ausstellung

Dietmar Brixy – WANDERLUST
Special Project in Personal Structures – Confluences

13. September bis 11. Oktober 2026

 

Palazzo Bembo
Riva del Carbon 4793
30124 Venedig, Italien

Täglich geöffnet von 10:00 bis 18:00 Uhr
Dienstags geschlossen
Eintritt frei

 

Eröffnung

Samstag, 12. September 2026, 17:00 Uhr

 

Die Eröffnungsrede hält Prof. Dr. Beate Reifenscheid, Kuratorin der Ausstellung und Direktorin des Ludwig Museums Koblenz. Der Künstler wird anwesend sein.

 

Die Ausstellung, initiiert vom international renommierten Kunstexperten und Kurator Dirk Geuer, wird von der gemeinnützigen Association for Art in Public realisiert. Sie ist als Special Project Teil der achten Ausgabe von Personal Structures, der vom European Cultural Centre Italy organisierten Ausstellung für zeitgenössische Kunst, die unter dem Titel Confluences in einer von Umbrüchen und Transformation geprägten Gegenwart Räume der Begegnung schafft.